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Ein Foto für die Erinnerung

Bild von Traude und Geri

Der Verwandtschaftsfotograf

Es gab ihn schon zu analogen Zeiten. Jenen Onkel, Bruder, Cousin, oft ein sogenannter „zugeheirateter“ (Schwager etc.), der auf Veranstaltungen auf der sich die Familie traf mit der Kamera herumlief. Und zwar nicht mit einer Kompakten, auch die gab es, sondern mit einer Spiegelreflex. Mit dickem Systemblitz obendrauf und großer, völlig unscheinbarer großer Schultertasche. Jaja, die Hersteller wurden in den letzten 30 Jahren kaum einfallsreicher. Er hatte einen schweren Job im Vergleich zu heute. Es gab nur Film. 36 Bilder – jedes ein Unikat. Es gab kein RAW-Format bei dem ich den Weißabgleich im nachhinein anpassen konnte, keinen nachträglichen Beschnitt – es gab quasi keine Nachbearbeitung. Er machte ein Foto, welches er ausbelichten ließ. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Einige Wochen nach besagtem Ereignis traf sich die Familie wieder und die Fotos wurden besichtigt – die Erinnerungen noch recht frisch. Knapp 30 Jahre später gibt’s die Fotos immer noch, sie können immer noch angesehen werden und bei allen werden Erinnerungen und Emotionen wach. Egal ob der Weißabgleich „richtig“ war, das Motiv scharf, ob das Foto ein Rauschen enthielt – vollkommen egal, das Foto ist phyisch und man kann es betrachten.

Heute bin ich in den allermeisten Fällen dieser Verwandtschaftsfotograf. Und es tat sich in diesen 30 Jahren einiges, wenngleich die Rahmenbedingungen dieselben sind. Motive die sich ungern fotografieren lassen, Hektik, der Zwiespalt zwischen Gast und einem der eine Mission zu erfüllen hat. Und wie sollte es anders sein „der Pressefotograf“. Und doch mache ich es gern, und in den nächsten Absätzen schreibe ich warum.Traude-Freundin

Der Auftrag

Meine Schwester kam Anfang des Jahres mit der Bitte zu mir ihre Geburtstagsfeier auf Bildern festzuhalten. Ein runder Geburtstag – über Alter spricht man nicht. Sie hatte jedoch einen besonderen Wunsch. Als Alternative zu den sonstigen,  meist unglücklich passenden Gutscheinen fragte sie um ein Fotobuch. Tja, so kann’s auch gehen. Ich brauchte mich nicht über ihre aktuellen Vorlieben informieren oder mich mit irgendjemand anderem zusammentun. Ich bin bei Geschenken so talentfrei wie handwerklich bei Haus und Bau. So hatte ich also den Auftrag die Feier zu fotografieren. Samstags nachmittags beim Binderberg in Aschach, auf Kaffee & Kuchen und eine Jause. Nix besonders aufwändiges.

Die Überraschung

An besagtem Datum also kam alles dann doch etwas anders als geplant. Meine Schwester – auffällig schick gekleidet – und Schwager Geri, eröffneten die Feier mit einer Rede, bei der allen Gästen die feierliche Vermählung verkündet wurde. OK, dann war ich ab diesem Zeitpunkt Hochzeitsfotograf. Und so nahm der Tag seinen Lauf und ich mischte mich unters verwandtschaftliche Volk und tat wie mir befohlen.Hochzeitstorte

Bearbeitung und die Probleme mit den Presets

Ich hatte nach der Hochzeitsreportage knapp 350 Fotos auf der Karte für den Zeitraum zwischen 13:00 Uhr und etwa 21:00 Uhr. Ich bin mittlerweile dazu übergegangen missglückte Bilder gleich auf der Kamera zu löschen, was erheblich Zeit in der Nachbearbeitung spart. Das Risiko irgendetwas nicht drauf zu haben gehe ich ein.

Nach bewährtem Prinzip waren die Bilder schnell ausgesucht. Ich bearbeite jedes Bild, das in irgendeiner Weise aus meinen Händen gelangt. Weil ich in ersten Linie Bildbearbeiter bin – es macht mir einfach Spaß an den Reglern in der Software herumzuzupfen. Farben verschieben, Belichtung anpassen, ein wenig Schärfe hier, ein Instagram-Bildlook da. Hach, ich könnte stundenlang versumpfen. Schließlich lese ich die DOCMA ja nicht umsonst. Letztendlich kam ich auf etwa 170 Bilder für ein Album, welches ich bei meinem Standarddienstleister fertigen ließ.

Die Software von Saal-Digital ist im Grunde sehr bedienerfreundlich gestaltet. Von der Notwendigkeit von Adobe-Air mal abgesehen. Probleme bereiten mir aber die Seitenlayouts die verfügbar sind. Oder eher die prinzipbedingten Konflikte, in die ich gerate. Ganz einfach: Wenn ich das Foto fertig habe dann soll es so sein wie es aus Lightroom rauskommt. Und zwar soll auch der Bildschnitt so sein wie ich ihn gewählt habe. Da schließen sich zwei Sachen aus. Ich habe bei einer Reportage einen Zeitplan einzuhalten, und ich fotografiere (mit dem Aufsteckblitz auf der Kamera) zu 80 % im Landscape-Modus – heißt im Querformat, weil der Blitz sonst hässliche von-der-Seite-Schlagschatten wirft. Nach etwa einem Drittel der Platzierung war klar, dass ich so nicht fertig werde.

Ich hatte also die Möglichkeit mir in InDesign ein eigenes Layout zu basteln oder in der Software von Saal-Digital herumzupfuschen. Ersteres fiel aufgrund der fehlenden Zeit flach (ich hatte einen Termin einzuhalten). In der Fotosoftware fielen dann doch einige Schwächen auf, was die Hilfslinien und Ausrichtung betrifft. Dort muss man mit Konzept vorgehen, weil der Hauptanker links oben ist, und sich die Ausrichtung aller anderen dort orientiert. Und wichtig: hat man ein Schema gefunden dass an das 80 %-Prinzip passt sollte man es sich abspeichern. Aber schließlich hatte ich ein System gefunden und der Album innerhalb von zwei Stunden fertig.Geri-Traude

Die Übergabe

Gewohnt flott hatte ich das Album zuhause und rief meine Schwester an. Die ließ es sich nicht nehmen und wollte es gleich sehen. Sie war – und ist hoffentlich – noch immer begeistert von den Fotos und dem Album. Besondere Freude hatte ich als Schwager Geri – dienstlich verhindert – einige Stunden später anrief und sich nochmals bedankte.

Damit schließe ich den Bogen zur Einleitung. Heute wird oft verallgemeinert. Zu oft und in allem. Ein Blick in die Tageszeitung reicht. Ein Foto sei nichts mehr Wert. Mit dem Smartphone geschossen, in ein soziales Medium geworfen, Stunden später weg. Womöglich. Deswegen ist es wichtig sich den Bilder zu widmen. Das fängt beim fotografieren an und endet bei der Übergabe eines physischen Mediums. Und damit meine ich keine CD oder einen USB-Stick den ich weitergebe und nie wieder zurückbekomme. Ich schaue mir jedes selektierte Foto mindestens zweimal an, der zeitliche Ablauf im Album ist mir wichtig. Doppelte Motive vermeiden, grobe Bildfehler (der berühmte Ast der aus dem Kopf wächst), da kommt alles mögliche zusammen. Ich beschäftige mich mit jedem einzelnen Foto und überlege warum und wie ich es weitergebe.

Ganz am Ende schaut sich der Betrachter das ausgearbeitete Foto an. Im Album, auf Abzug, als Poster oder Leinwand, vielleicht jeden Morgen auf seinem Kaffeebecher – wer weiß. Es weckt in jedem Fall Emotionen und in vielen Jahren Erinnerungen. Wie gesagt das Drumherum hat sich in 30 Jahren kaum verändert. Der Ablauf ist heute anders. Viel Spaß und Freude mit den Bildern auf meiner Galerie.

Autor:

Ich bin Webworker und Fotograf. Gelegentlich kommt auch meine kreative Seite zum Vorschein. Wenn ich nichts am Computer oder hinter der Kamera erschaffe, arbeite ich in einem metallverarbeitenden Betrieb in Steyr, und bin Ehemann und Vater zweier Kinder.

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